Geschichte

HolzstichDie Gemeinde Rohrbach gehört zu den ältesten Gemeinden im Kanton Bern. Rohrbach - oder damals noch Rorpah - wurde das erste Mal im Jahr 795 urkundlich erwähnt. Damals gehörte der Kelnhof Rohrbach zur Abtei St. Gallen. Nach dem Zerfall des Klosters St. Gallen gelangte Rohrbach über den Freiherren von Rüti und die Freiherren von Signau in den Besitz der Grünenbergischen Ritter (ca. 1371).

Die Grünenberger sowie ihre Nachkommen übten die Herrschaft über Rohrbach bis zum Verkauf an die Stadt Bern im Jahre 1504 aus. Trotz der Übernahme durch die Berner Herren beharrten die Rohrbacher weiterhin auf ihrem Sonderstatus. So behielten sie beispielsweise ihren Galgen, dessen Erneuerung sogar von Bern bezahlt wurde, obwohl sie eigentlich dem Gericht Wangen unterstellt waren. Was bewog die Rohrbacher aber so hartnäckig an ihrem Galgen festzuhalten? Denn wie es scheint, wurden nach dem Übergang an Bern in Rohrbach keine Hinrichtungen mehr vollstreckt. Wahrscheinlich ging es um die Wahrung ihrer Sonderrechte, erinnerte der Galgen doch stets an die einstige Sonderstellung, die sie durch die Zugehörigkeit an das Kloster St. Gallen innehatten. Auch genossen Orte mit eigenem Galgen ein gewisses Ansehen. Ebenfalls durften sie weiterhin wie seit 1449 direkt hinter dem Berner Stadtbanner in den Krieg ziehen und nicht mit dem Wangener Fähnli. Sogar von den lästigen Fuhrungen, für den Bau von Brücken, Landwehren usw. nach Wangen, waren sie befreit. Selbst als sich die Wangener in Bern beschwerten, entschied Bern laut Urkunden zu Gunsten der Rohrbacher. Sie durften ihre Rechte behalten und hatten die Pflichten nach alter Gewohnheit zu erfüllen.

Aus den Urkunden und Büchern im Gemeindearchiv ist zu entnehmen, dass Rohrbach in früherer Zeit nicht unbedingt ein mustergültiges Dorf war. In einem Pfarrbericht aus dem Jahre 1764 ist zu lesen, dass damals rund ein Drittel der 2500 Einwohner unterstützungsbedürftig waren. Die arbeitslosen Männer, die ihre Misere in Alkohol ertränkten, sowie die bettelnden Frauen und Kinder verschafften Rohrbach einen schlechten Ruf. Aus jener Zeit stammt auch der Spruch "Vo Rohrbach Herr Jeses".

Die 1889 eröffnete Langenthal-Huttwil-Wolhusen-Bahn förderte die Ansiedelung industrieller Betriebe. Durch die Gründung der Sägerei von Gottfried Lanz Ende des 19. Jahrhunderts kam endlich der wirtschaftliche Aufschwung nach Rohrbach. Ebenfalls fanden viele, vor allem Frauen, in der Zigarrenfabrik eine Anstellung. Durch die 1911 neu erbaute landwirtschaftliche Genossenschaft entstanden auch für die Landwirte bessere Bedingungen. Dank dieser Entwicklung blühte die Gemeinde auf. Das Dorf wandelte sich von "Vo Rohrbach Herr Jeses" zum bis heute noch oft gehörten Spruch "Vo Rohrbach bim Donner".

Seit der Nachkriegszeit hat sich die Bautätigkeit  verstärkt und dadurch das Dorfbild verändert. Viele neue Häuser sind entstanden, dafür sind Bauernbetriebe eingegangen, wobei sich die schönen Häuser meist erhalten haben. Anstelle einst dominierender Firmen haben sich alte und neue Unternehmen entwickelt und die Lücke wieder ausgefüllt. Das Dorfbild prägen heute hauptsächlich Ein- und Zweifamilienhäuser.

Rohrbach hat trotz der vielen Zeiteinflüsse den sympatischen Charakter eines Dorfes nicht verloren. Es bleibt zu hoffen, dass es sich auch in Zukunft in diese Richtung, mit dem Bestreben zur Erhaltung von Umwelt und Lebensqualität, weiter entwickelt und man auch weiterhin mit Stolz sagen kann "Vo Rohrbach bim Donner"!  

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